Kein Verlass auf Politiker und Kantonsbeamte: Sture Böcke machen, was sie wollen

 

 

Aufmerksame Leser und Leserinnen reiben sich die Augen (Zitate BZ):

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«Es ist vorgesehen, dass noch total 19 Parzellen im Portfolio des Kantons verbleiben. Alle übrigen im Rahmen des nun abgeschriebenen Westastprojekts erworbenen Parzellen sollen verkauft werden», bestätigt Kantonsoberingenieur Stefan Studer. Die 19 Parzellen würden sich hauptsächlich im Bereich des Porttunnels (Gemeinden Brügg und Port), im Bereich der Seevorstadt und im übrigen Perimeter des früheren Westastprojekts in der Stadt Biel befinden.

Für die Planung der Nationalstrasse würden aktuell «von den 19 noch 10 Parzellen zurückbehalten, die für einen allfälligen späteren Bau des Porttunnels oder für einen Juratunnel benötigt würden». Sobald die Ergebnisse der erwähnten Studien vorlägen und das weitere Vorgehen klar sei, werde gemeinsam mit dem Bundesamt für Strassen (Astra) definitiv entschieden, ob diese Parzellen noch benötigt oder verkauft würden.

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Kreisoberingenieur Stefan Studer: «Gestützt auf die Empfehlungen der Dialoggruppe, ist unter anderem vorgesehen, eine Studie zur langfristigen Schliessung der Netzlücke in Biel durchzuführen. Für die Behörden im Vordergrund steht dabei die Prüfung eines Juratunnels.» Der Start der Studie ist für 2023 geplant. Dieser Zeitung sagte Studer übrigens im letzten November, dass er «einen unterirdischen und stadtverträglichen Anschluss» von Biels Zentrum an den allfälligen Juratunnel nicht ausschliesse.

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Für die Region Biel heisst es also weiterhin: VIGILANCE ET RESISTANCE !

Übrigens: Der Chef von Kreisoberingenieur Stefan Studer ist Regierungsrat Christoph Neuhaus.

Am 27. März 2022 miserabel wiedergewählt.

 

                                                                                                

 

 

 

     


Nume nöd gschprängt: Bundesbern schiebt «Netzlücke» auf die lange Bank

 

Bundesbern sagt also: Jetzt machen wir erst mal nichts und dann warten wir ab.

 

Biel antwortet: Gut so. Dann machen wir mal unsere Stadt so, wie sie uns gefällt.

     


Bundesrat gibt nach:
Der Autobahn-Netzbeschluss ist nicht in Stein gemeisselt!
 

Am 26. Januar 2022 ist es einer Schweizer Stadt gelungen, nach langjährigem Widerstand eine Revision des 1960 vom Bundesparlament beschlossenen Autobahnausbaus zu erwirken, womit das zur Lücke hochstilisierte Zürcher Autobahn-Ypsilon endgültig aus dem Netzbeschluss gestrichen wird. Der vom Bundesrat abgesegnete Beschluss muss noch von den eidgenössischen Räten bestätigt werden, woran jedoch kein Zweifel besteht.

Zürich also. Weigert sich dem Netzbeschluss Folge zu leisten. Engagiert sich auf politischer Ebene gegen eine sogenannte Lückenschliessung im Netzbeschluss 1960 auf ihrem Stadtgebiet. Und hat sich durchgesetzt.

Quelle:ASTRA BLOG, 15.7.2021

 

Warum war das Gleiche in Biel mit dem A5-Westast nicht möglich? Weil man Biel nicht mit Zürich vergleichen kann und soll? Auä. Zwei Bieler Besonderheiten machen in diesem Fall den Unterschied:

1. Immer und immer wieder haben Politiker:innen und Autolobbyisten behauptet, der Netzbeschluss sei sakrosankt und müsste, wenn überhaupt, auf Bundesebene abgeändert werden, was gänzlich unrealistisch sei und ein frommer Wunsch bleiben werde. Der einflussreichste Bieler im Bundeshaus sah das genau so und setzte seine ganze Schaffenskraft zur Verhinderung der Tabakwerbung ein, anstatt seine Heimatstadt vor der unnötigen Autobahn zu bewahren.

Der amtierende Stadtpräsident schaffte Ende 2020 die aufsehenerregende Pirouette vom Autobahnbefürworter zum Westastskeptiker, indem er sich plötzlich und mit Priorität für einen Autobahntunnel im Norden der Stadt stark macht. Eine behördliche Initiative zur Streichung des A5-Westast aus dem Netzbeschluss ist in Biel nicht einmal in Ansätzen bekannt.

 

2. Grosse Teile der Westast-Gegnerschaft (Grüne, VCS, Heimatschutz, Komitee «Westastsonicht», Pro Velo etc.) die 2020 am Runden Tisch gegen das ausführungsreife Autobahnprojekt argumentierten, sind den Befürwortern leider auf den Leim gekrochen und haben einem «Dialogpapier» zugestimmt, in welchem das Westast-Projekt zur Nichtrealisierung empfohlen wird. Schön und gut. Aber sie haben mit ihrer Unterschrift auch die Schliessung der vielbeschworenen Autobahnlücke gefordert, wenn auch erst langfristig.

Für die Stadtbehörden war das jedoch der Startschuss: Sofort loslegen mit Machbarkeitsstudien, mit dem Ziel, rasch eine Bestätigung zu erhalten für ein Projekt «Nord- statt Westast» (neu: JURATUNNEL). Weil Stadtwanderer und andere Exponenten der Gegnerschaft in ihren Kreisen das Mantra der notwendigen Lückenschliessung ebenso gepredigt haben wie ACS und TCS, ist die Chance, den A5-Westast im gleichen Bundesratsbeschluss wie das Zürcher Ypsilon auszuradieren, leichtfertig vertan worden.

Die Vermutung ist nicht von der Hand zu weisen, dass zuviele (Verkehrs-)Planer am Dialogtisch sassen, die in ihrem Brotberuf die Erfahrung gemacht haben, dass es besser ist, Leitplanken des Auftraggebers (wie den Netzbeschluss) nicht zu hinterfragen und zu akzeptieren. Weil sonst rasch ein anderer an die Futterkrippe gelassen wird.

Fazit: Nun, da es Jahre dauern wird, bis der Bundesrat das Dossier «Netzbeschluss» wieder zur Hand nimmt, um Änderungen zu erwägen, wäre man in Biel gut beraten, diesmal die Weichen rechtzeitig zu stellen, auf dass es dannzumal heissen möge:

«Das Nationalstrassennetz wurde 1960 im Bundesbeschluss über die Nationalstrassen (Netzbeschluss) definiert. Bis zur Netzvollendung fehlen noch knapp 40 Kilometer. Die Anforderungen an die Trassierung und die Ausgestaltung der Nationalstrassen haben sich seit der ursprünglichen Planung in den 1960er Jahren stark verändert. Der Bundesbeschluss sah vor, die N5 und die N3 mitten durch die Stadt Biel zu führen ("Bieler Westast"). Dieser Ansatz ist nicht mehr zeitgemäss. Die Strecke soll entsprechend aus dem Netzbeschluss gestrichen werden.»

 

Nationalstrassenbauprojekte bis 2030

 


Expertenstimme aus dem Dialogprozess zeigt Ausweg aus der Blockade
 

Han van de Wetering* sagt:

«Die Option eines Tunnels als langfristige Massnahme ist Teil der Westast-Empfehlungen aus dem Dialogprozess, aber nicht mit Priorität. Ich würde aber zum jetzigen Zeitpunkt weder über einen Juratunnel noch über eine sonstige Tunnelvariante sprechen.

Jetzt geht es erst einmal darum, den Verkehr auf dem künftigen Boulevard zwischen dem Brüggmoos und der Neuenburgstrasse verträglich zu gestalten. Erst wenn dies nicht mehr möglich sein sollte, käme ein Tunnel als langfristige Variante in Betracht.

Aber auch hier würde ich dringend empfehlen, in einem ersten Schritt ein Zukunftsbild für den Perimeter La Neuveville-Biel zu erstellen. So gibt es zum Beispiel den Wunsch nach einer durchgehenden, sicheren Veloverbindung dem See entlang. Etwas, was zwischen Biel und Tüscherz fehlt…. Wenn es immer nur um die Machbarkeit eines Juratunnels geht, kommen solche Themen nie zur Sprache!»

Hier gehts zum ganzen Interview.   *Han van de Wetering war als Experte für Städtebau im Dialogprozess engagiert.


Wir le­sen auf Wikipedia:

          https://de.wikipedia.org/wiki/Autobahn_5_(Schweiz)

  • Ju­ra­tun­nel (Kon­zept aus den 70er Jahren), 

Al­ter­na­tiv­rou­te ab der Ver­zwei­gung Bö­zin­gen­feld mit­tels Tun­nel bis nach Vi­nelz oh­ne Aus-/ Ein­fahrt (die­ses Kon­zept ist we­gen sei­ner sehr ge­rin­gen Ent­las­tung der Stadt eher unwahrscheinlich), 

zu­dem wur­den in der Ver­gan­gen­heit be­reits Ju­ra­tun­nel-Va­ri­an­ten mit An­schluss in Biel (Aus-/ Ein­fahrt auf hö­he Müh­le­brü­cke) aus­ge­ar­bei­tet und als kaum rea­li­sier­bar ein­ge­stuft (mas­si­ver Ein­griff in die Stadt, wirt­schaft­lich ungünstig).

 


 
 
 
 

 

 

St. Gal­ler Brat­wurst – nicht in  Biel

Im Rah­men der Dis­kus­sio­nen in der West­ast-Dia­log­grup­pe ha­ben die «Ex­per­ten» im­mer mit dem «Bei­spiel St. Gal­len» ge­kon­tert, wenn die au­to­bahn­kri­ti­schen Mit­glie­der dar­auf hin­wie­sen, dass un­ter­ir­di­sche Au­to­bahn­an­schlüs­se vom Bun­des­amt für Stras­sen AS­TRA ka­te­go­risch ab­ge­lehnt wer­den. Aus die­sem Grund wur­den näm­lich die Westastan­schlüs­se in Biel nicht un­ter­ir­disch, son­dern of­fen ge­plant, was zu ei­nem schö­nen Teil zum de­fi­ni­ti­ven Ab­sturz des A5-Aus­füh­rungs­pro­jekts beitrug.

Was hat es aber auf sich, mit der für un­se­re Ver­kehrs­ex­per­ten nach­ah­mens­wer­ten St. Gal­ler Lö­sung? Die Mehr­heit der Dia­log­grup­pe woll­te nichts Ge­naue­res wis­sen und war froh, dass da will­kom­me­ne Mu­ni­ti­on für das Durch­drü­cken ei­nes Ju­ra­tun­nels mit in­ner­städ­ti­scher Ein- oder Aus­fahrt un­ter of­fe­nem Him­mel ge­lie­fert wurde.

Des­halb hier in al­ler Kür­ze ein paar Fak­ten, die auf­zei­gen, dass die Spar­ring­part­ner* ge­nann­ten Ex­per­ten ei­ne St. Gal­ler Brat­wurst mit ei­nem Bie­ler Sau­cis­son ver­gli­chen ha­ben. Fakt ist: Das AS­TRA und St. Gal­len ha­ben ein Rie­sen­pro­blem, in kei­ner Wei­se ver­gleich­bar mit der Si­tua­ti­on am Bielersee.

 

Die be­stehen­de Stadt­um­fah­rung St. Gal­len der A1 – ei­ne Haupt­ar­te­rie des Au­to­bahn­ver­kehrs im Os­ten der Schweiz – ver­läuft in zwei Tun­neln. Die­se müs­sen zwin­gend um­fas­send sa­niert wer­den, d.h. jah­re­lan­ge Tun­nel­schlies­sun­gen sind pro­gram­miert. Um­fah­rungs­lö­sun­gen gibt es kei­ne. Al­so soll nun in ei­nem ers­ten Schritt ei­ne drit­te Röh­re ge­baut wer­den. Ist die­se mal in Be­trieb, kann ein Tun­nel nach dem an­dern blo­ckiert und sa­niert werden.

Um wäh­rend der lan­gen Sa­nie­rungs­pha­se ei­nen Ver­kehrs­kol­laps zu ver­mei­den, plant man im glei­chen Zug zu­sätz­lich ei­ne so­ge­nann­te Span­ge (=un­ter­ir­di­sche An­bin­dung zur Ag­glo Ap­pen­zel­ler­land). Sie be­steht aus dem Tun­nel «Feld­li» und ei­nem un­ter­ir­di­schen Krei­sel un­ter dem Gü­ter­bahn­hof mit­ten in der Stadt.

Ei­ne ähn­li­che Lö­sung für den Bie­ler West­ast hat das AS­TRA für das in­zwi­schen be­er­dig­te West­astpro­jekt mit al­ler Macht ver­wor­fen. Im Un­ter­schied zum St. Gal­ler Span­gen­pro­jekt, wo die Aus­gangs­la­ge ei­ne ganz an­de­re ist: In St. Gal­len muss das AS­TRA für die Sa­nie­rung ei­nes Teils sei­ner wich­ti­gen Au­to­bahn-Ost-West­trans­ver­sa­le den to­ta­len Ver­kehrs­kol­laps be­fürch­ten, wes­halb das Bun­des­amt ei­ne ganz gros­se Krö­te schluckt und sich da­mit über sei­ne ei­ge­nen schweiz­weit dik­tier­ten Auf­la­gen hin­weg­setzt (=kei­ne un­ter­ir­di­schen Au­to­bahn­an­schlüs­se mehr).

Kein Ver­gleich mit der ak­tu­el­len Si­tua­ti­on am Bie­ler­see: Die N5, auf Stadt­ge­biet als Au­to­bahn 3.Klasse ge­plant, eu­ro­pä­isch un­be­deu­tend, kann – im Ge­gen­satz zu St. Gal­len – nie­mals als Recht­fer­ti­gung für ei­nen un­ter­ir­di­schen Au­to­bahn­an­schluss ab und zu ei­nem Ju­ra­tun­nel her­an­ge­zo­gen wer­den. Wür­de ein sol­cher An­schluss, wie vom AS­TRA vor­ge­schrie­ben, in der See­vor­stadt je­doch of­fen ge­führt, wä­re ein er­neu­ter Volks­auf­stand so si­cher wie das Amen in der Bie­ler Stadtkirche.

Des­halb: Brat­würs­te sind be­kann­ter­wei­se ei­ne St.Galler Spe­zia­li­tät. Aber mit AS­TRA-Senf selbst dort un­ge­niess­bar. Der Wi­der­stand ge­gen das Pro­jekt «Teil­span­ge» ist lan­ciert. Die Bürger:innen von Biel/Bienne ha­ben es er­folg­reich vor­ge­macht und blei­ben wei­ter­hin wach­sam – Ju­ra­tun­nel durch die Hin­ter­tür?  Po­li­tik gä­ge d’Lüüt? In Biel aussichtslos.

 

 

* Der Spar­ring­part­ner beim Bo­xen be­nutzt zu­sätz­lich ge­pols­ter­te Box­hand­schu­he und darf nie zu fest zu­schla­gen, son­dern er tän­zelt um den auf­trag­ge­ben­den Trai­nings­part­ner herum.

 


 

 

Der Prio­ri­tä­ten­set­zer

 

Fal­sche Prio­ri­tät:  «Der Ju­ra­tun­nel wird stu­diert.»   Chr. Neu­haus auf facebook

 

 

 

 
 

30.09.2021
Rund um den Bie­ler­see
nimmt die Be­völ­ke­rung
das Heft in die Hand
 

10.08.2021
«West­ast so nicht!» bleibt. 
Bald mit auf­ge­frisch­tem Namen.

 

 


 

 

«West­ast so nicht!» droht das Aus

Am 10.August 2021 soll das Ko­mi­tee «West­ast so nicht» li­qui­diert wer­den – wenn es nach dem Wil­len des Ver­eins­vor­stan­des geht.

Ein Un­sinn son­der­glei­chen: Ei­ne Bür­ge­rIn­nen­in­itia­ti­ve mit 2’000 Mit­glie­dern oh­ne Not auf­zu­lö­sen, ist ein star­kes Stück. Das letz­te Wort hat je­doch die Mit­glie­der­ver­samm­lung. Es geht dar­um ei­ne be­währ­te Struk­tur am Le­ben zu er­hal­ten, die auch in Zu­kunft mit brei­tem Rück­halt ein­grei­fen kann, wenn die Re­gi­on Biel von den Be­hör­den bau­lich und ver­kehrs­tech­nisch in ei­ne un­er­wünsch­te Rich­tung ver­än­dert wer­den soll. Stich­wor­te: Ju­ra­tun­nel, Ag­glo­lac 2.0, etc.

 

 


 

Und im­mer wie­der der Juratunnel…

Die Nach­fol­ge-Or­ga­ni­sa­ti­on Es­pace Biel/Bienne.Nidau, wel­che die Emp­feh­lun­gen vom Dia­log­pro­zess vor­an­trei­ben und um­set­zen soll, wur­de mit ei­nem stol­zen Bud­get aus­ge­stat­tet: Ins­ge­samt ste­hen CHF 820’000 zur Ver­fü­gung – al­lein für Or­ga­ni­sa­ti­ons- und Pla­nungs­ar­bei­ten, und al­lein für 2021!

Die Hälf­te da­von be­zahlt der Kan­ton Bern, den Rest über­neh­men die Städ­te Biel und Ni­dau, so­wie die Ge­mein­den Brügg, Ip­sach und Port.

Wes­halb die Kos­ten so hoch sind, geht et­wa aus dem Kre­dit­an­trag des Bie­ler Ge­mein­de­rats her­vor. Dar­in sind un­ter an­de­rem Ho­no­ra­re für Fach­ex­per­ten in der Hö­he von CHF 120’000 ver­an­schlagt. No­ta­be­ne han­delt es sich da­bei um die glei­chen Bü­ros – Fritz Ko­bi und Han van de We­te­ring – die be­reits wäh­rend des Dia­log­pro­zes­ses kräf­tig ab­kas­siert hatten.

Die bei­den Ex­per­ten wie auch der da­ma­li­ge Pro­zess­lei­ter Hans Wer­der ge­fie­len sich ja be­kannt­lich in der Schluss­pha­se des Dia­logs dar­in, die Op­ti­on «Ju­ra­tun­nel» mäch­tig zu pu­shen. Das wirkt sich bis heu­te aus.

So be­haup­te­te et­wa die Ni­dau­er Stadt­prä­si­den­tin und Co-Lei­te­rin von Es­pace Biel/Bienne.Nidau an­läss­lich ei­nes Tref­fens mit ehe­ma­li­gen Teil­neh­me­rIn­nen des Dia­log­pro­zes­ses steif und fest, die Pla­nung des Ju­ra­tun­nels sei Be­stand­teil der im De­zem­ber 2020 ver­ab­schie­de­ten Emp­feh­lun­gen. Ei­ne Be­haup­tung, die schlicht­weg falsch ist.

Re­gie­rungs­rat Chris­toph Neu­haus bläst je­doch ins glei­che Horn: «Es wird ein Ju­ra­tun­nel stu­diert», liess er kürz­lich in ei­nem sei­ner be­rühmt-be­rüch­tig­ten Face­book-Kom­men­ta­re ver­lau­ten. Und de­gra­dier­te die rest­li­chen Emp­feh­lun­gen aus dem Dia­log­pro­zess kurz­um zu be­glei­ten­den «flan­kie­ren­den Mass­nah­men» für ei­nen Au­to­bahn­bau, wo und wie auch immer.

 

Die Twan­ner Ge­mein­de­prä­si­den­tin Mar­grit Boh­nen­blust hat sich und ih­re Ge­mein­de vor­erst aus der Or­ga­ni­sa­ti­on, wel­che die Dia­log-Emp­feh­lun­gen um­set­zen soll, aus­ge­klinkt. Sie wä­re aber ge­willt und be­reit, in die­sem Gre­mi­um wie­der mit­zu­re­den, falls der Ju­ra­tun­nel zwi­schen Bö­zin­gen und Biel wie­der ins Ge­spräch kom­men soll­te, wie sie ge­gen­über dem Bie­ler Tag­blatt er­klär­te. Für sie sei dies die bes­te Lö­sung: «Dann wür­de der Tran­sit-Ver­kehr an Twann-Tü­scherz vor­bei im Hang verschwinden.»

So he­gen und pfle­gen Po­li­ti­ke­rIn­nen und so­gar Fach­ex­per­ten nach wie vor ih­ren gros­sen Traum vom Tun­nel, der den Ver­kehr ver­schwin­den lässt. Das Dum­me ist nur, dass je­der Tun­nel nicht nur ei­nen Ein- son­dern auch ei­nen Aus­gang hat: Der Ver­kehr ver­schwin­det nicht. Und Tun­nel­por­ta­le ver­schan­deln so­wohl die Stadt- wie die Naturlandschaft.

Der Ju­ra­tun­nel ist ge­nau­so we­nig um­setz­bar oder sinn­voll, wie es der West­ast war. Es wä­re an der Zeit, Kräf­te, Geld und Fan­ta­sie in sinn­vol­le­re, um­setz­ba­re Mo­bi­li­täts­lö­sun­gen zu in­ves­tie­ren. Auch in der Re­gi­on Biel!

 


 

 

Weh­ret den Anfängen!

 

Der West­ast-Dia­log­pro­zess en­de­te im De­zem­ber 2020 mit ei­nem kla­ren Ver­dikt: Das Aus­füh­rungs­pro­jekt und der ge­plan­te Bau des «West­asts» mit den An­schlüs­sen Bi­en­ne-Cent­re und See­vor­stadt ist vom Tisch. Definitiv.

Gleich­zei­tig «emp­fiehlt» je­doch der Deal, dass die Pla­nung ei­ner neu­en «lang­fris­ti­gen Lö­sung» um­ge­hend an die Hand zu neh­men sei. Da­bei wur­den von den Ver­tre­te­rIn­nen der Kern­grup­pe die Wei­chen klar für ei­ne «Va­ri­an­te Ju­ra­tun­nel» ge­stellt. Die Mehr­heit der Dia­log­grup­pe hat das oh­ne zu zö­gern ab­ge­nickt. Und schon taucht sie im Wunsch­kon­zert zum Ag­glo­me­ra­ti­ons­pro­gramm 4 auf:

Die­se Va­ri­an­te hät­te zwin­gend den Bau ei­nes in­ner­städ­ti­schen Au­to­bahn­an­schlus­ses zur Fol­ge. Na­tür­lich al­les un­ter­ir­disch. Wie der mo­to­ri­sier­te Ver­kehr aus der Stadt und in die Stadt an die Ober­flä­che ge­lan­gen soll, wird tun­lichst verschwiegen.

Dem Ver­neh­men nach wur­de der Ju­ra­tun­nel in den Ver­hand­lun­gen ins­be­son­de­re von den Her­ren Wer­der und Ko­bi ge­pusht so­wie von den West­astbe­für­wor­tern, den Be­hör­den und so­gar ei­nem Teil der West­astgeg­ner­schaft begrüsst.

Da­zu kann man nur sa­gen: Tot­ge­glaub­te le­ben län­ger… Be­reits vor über 40 Jah­ren stan­den im­mer wie­der neue Ju­ra­tun­nel-Va­ri­an­ten zur De­bat­te. Und die Fra­ge, ob Nord- oder Süd­um­fah­rung und überhaupt…

Bis An­fang der 1990er Jah­re vo­tier­te ei­ne Mehr­heit der Bie­ler Po­li­ti­ke­rIn­nen für ei­nen Ju­ra­tun­nel – auch wenn der ei­ne oder an­de­re aus wahl­tak­ti­schen Grün­den mal sei­ne Mei­nung ge­än­dert hat, wie wir das ja auch heu­te noch kennen:

 

Und nun soll die­ses Ge­ran­gel wie­der von vor­ne los­ge­hen? Die Pla­nungs­bü­ros rei­ben sich schon die Hände.

Weh­ret den Anfängen!

Wir for­dern: Kei­ne wei­te­ren Pla­nungs­mil­lio­nen für ein Pro­jekt, das es nicht braucht – und das eh nie ge­baut wird. Statt­des­sen In­ves­ti­tio­nen in ei­ne rea­li­täts­ba­sier­te, in­no­va­ti­ve und zu­kunfts­taug­li­che Mobilitätspolitik.

 


 

Bil­li­ger und bes­ser statt ir­gend­ein Juratunnel

 

 

 

 


 

Stras­sen­bau­po­li­tik 1960–2020

Stau – Mehr Stras­sen – Mehr Stau – Mehr Stras­sen – Im­mer noch Stau – Noch mehr Stras­sen – Noch mehr Stau – Nicht ge­nug Stras­sen – Wie­der mehr Stau – Nicht ge­nug Spu­ren – Stras­sen­aus­bau – Stau beim nächs­ten Eng­pass – Aus­bau Eng­pass – Mehr Spu­ren, Stau an­dern­orts, Stau hier, Stau dort, in ei­nem fort, un­d­so­wei­ter un­d­so­fort un­d­so­wei­ter undsofort…

 

 

Ein nor­ma­ler Sonn­tag 1967

video

Stau am Bielersee-Nordufer 

 

 

Ein nor­ma­ler Auf­fahrts­tag 2020

Stau am Bielersee-Nordufer 

 

 


 

Stras­sen­bau­po­li­tik ab dem Jahr 2021

 

 

Was mit dem West­ast wei­ter passiert